Quo vadis TU Chemnitz?
Graduiertenkollegs, Akkreditierung und Globalhaushalt - die Zukunft
wird geplant
Das neue Rektorat ist bereits mehr als die berühmten 100 Tage im Amt.
Zeit für eine erste Bilanz. Mario Steinebach, Chefredakteur des "TU-Spektrum",
sprach mit dem Rektor Prof. Dr. Günther Grünthal, den drei Prorektoren
Prof. Dr. Rainhart Lang, Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes und Prof. Dr.
Dieter Happel, sowie mit dem Kanzler Eberhard Alles über die aktuelle
Situation an der Universität.
Die TU Chemnitz hat sich
in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf unter den Hochschulen,
aber auch in der Wirtschaft und in der Region erarbeitet. Ist diese
positive Entwicklung durch die auf Stellenabbau orientierte sächsische
Hochschulpolitik in Gefahr?
Prof. Grünthal: Wenn der in Rede stehende Personalabbau in einer
Größenordnung von 1.015 oder sogar von 1.415 beziehungsweise von 1.715
Stellen wirklich umgesetzt werden sollte, wäre nicht nur die bisherige
sächsische Hochschulpolitik gescheitert, sondern die Stellung Sachsens
als eine der inzwischen führenden Wissens- und Technologiestandorte
Deutschlands insgesamt gefährdet. Die Bedeutung des Standortfaktors
der TU Chemnitz allein für die Wirtschaft der Stadt und die gesamte
Region Südwestsachsen, in der allein über 50 Prozent sämtlicher sächsischer
Wirtschaftsleistungen erbracht werden, ist unumstritten. Dies wäre ohne
die von der Universität ausgehenden Transferleis-tungen kaum vorstellbar.
Was erwarten Sie vom Bericht der Sächsischen Hochschulent-wicklungskommission,
der voraussichtlich im März an Minis-terpräsident Kurt Biedenkopf übergeben
wird?
Prof. Grünthal: Normalerweise wird das endlich gut, was lange
währt. Ob das auch für den SHEK-Bericht gilt, bleibt abzuwarten. Hoffentlich
wird den Hochschulleitungen wenigstens ein "belastbares" Papier in die
Hand gegeben, das langfristigen und nachhaltigen Planungen entgegenkommt.
Die fachübergreifende Zusammenarbeit der Fakultäten ist zum Markenzeichen
der TU geworden. Herr Prof. Grünthal, Sie haben sich zum Amtsantritt
vorgenommen, den Dialog zwischen den Fakultäten noch weiter zu intensivieren.
Ist Ihnen dies bereits gelungen?
Prof. Grünthal: Die inzwischen von den Gremien der Universität
eingerichteten neuen Bachelor-Studiengänge für "Europa-Studien" und
"Finanzmathematik" sind gute Beispiele dafür, dass bei entsprechender
Bereitschaft der Partner in den Fakultäten profilbildende und arbeitsmarktorientierte
Studiengänge entwickelt werden können. Das Rektorat sieht jedoch auf
den Gebieten fachübergreifender, interfakultärer Studiengänge noch erhebliche
Spielräume für weitere Initiativen.
Mit den vier Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft
hat die Chemnitzer Uni in Ostdeutschland die Nase vorn. Ein Grund zum
Ausruhen, oder gibt es bereits Ideen für weitere SFB´s?
Prof. Matthes: Sicherlich sind die vier Sonderforschungsbereiche
eine sehr gute Basis für die Grundlagenforschung. Bezüglich der Weiterführung
dieser SFB´s müssen große Anstrengungen unternommen werden. Gegenwärtig
steht beim Sonderforschungsbereich "Prozessketten der Massivumformung"
der Fortsetzungsantrag zur Diskussion. Neben diesen Großforschungsvorhaben
spielen natürlich auch die Forschungsvorhaben in Forschergruppen, Innovations-
und Graduiertenkollegs eine wesentliche Rolle. Mit der langfristigen
Entwicklungskonzeption der Technischen Universität Chemnitz und der
Profilierung der Forschung auf fünf Gebieten wurde eine günstige Gelegenheit
geschaffen, interdisziplinäre neue Großforschungsprojekte zu initiieren.
Für die einzelnen Profillinien wurden Arbeitsgruppen gebildet, die über
weitere Forschungsvorhaben an unserer Universität nachdenken. Als neues
Großforschungsvorhaben ist der Sonderforschungsbereich "Funktionale
molekulare Strukturen an Phasengrenzen von Hybridmaterialien" angedacht.
Der Antrag wird federführend von der Fakultät für Naturwissenschaften
erarbeitet, aber entsprechend unserer Strategie sind auch Wissenschaftler
aus den Fakultäten Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Maschinenbau
und Verarbeitungstechnik mit integriert. Außerdem wurde Anfang des Jahres
ein Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Einrichtung
eines Forschungszentrums für Mikro- und Nanosysteme eingereicht. Damit
wird der Entwicklungsweg konsequent verfolgt, Exzellenzzentren an unserer
Universität zu errichten.
Wo gibt es auf dem Gebiet der Forschung noch Reserven?
Prof. Matthes: Reserven liegen vor allem im Bereich der Graduiertenkollegs.
Hier müssen die Wissenschaftler der TU größere Anstrengungen unternehmen,
Graduiertenkollegs für den wissenschaftlichen Nachwuchs aufzubauen.
Mit den gegenwärtig zwei vorhandenen Graduiertenkollegs ist das Forschungspotenzial
unserer TU noch längst nicht ausgeschöpft. Ich könnte mir neue Graduiertenkollegs
besonders in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und in der Philosophischen
Fakultät vorstellen.
Wie gestaltet sich in Zukunft die Kooperation mit der Wirtschaft,
insbesondere mit Firmen in der Region?
Prof. Matthes: Die Kooperation mit der regionalen Wirtschaft
hat sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert. Die Universität
versteht es zunehmend besser Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit
der regionalen Wirtschaft gemeinsam durchzuführen. Ausdruck dieser Partnerschaft
ist unter anderem auch die Tatsache, dass ich sowohl im Kompetenzzentrum
Maschinenbau als auch im Arbeitskreis Technologietransfer als Mitglied
des Vorstandes mitarbeite. Als herausragende Aktivität der Zusammenarbeit
mit der Region sehe ich die Bewilligung des Verbundvorhabens "Innovationsregion
Mittelsachsen (InnoSachs)". Die Vision des Projektes besteht in der
ganzheitlichen Entwicklung Mittelsachsens zu einer national und international
bedeutsamen Wirtschaftsregion, die entscheidend durch Hochtechnologien
geprägt ist. Die wesentliche Aufgabe auf dem Weg zur Innovationsregion
Mittelsachsen besteht darin, die vorhandenen Kompetenzen in den Hochtechnologiebereichen
Mikrosystemtechnik, Hochleistungsmaschinenbau, Lasertechnik, Informations-
und Kommunikationstechnologien und neue Werkstoffe zu erweitern, zu
integrieren und mit der Kleinindustrie zu vernetzen. Die TU ist durch
die Professoren Geßner und Schöne hervorragend vertreten. Reserven in
der Forschungszusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft bestehen
vor allem in der Initiierung von Großforschungsvorhaben, die vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung gefördert werden. Hier ist in den nächsten
Jahren eine deutliche Steigerung des Drittmittelvolumens anzustreben.
Herr Prof. Happel, erstmals in der Unigeschichte gibt es mit Ihnen
einen Prorektor für Planung und Hochschulentwicklung. Einen "Prorektor
für Internatio-n-ale Entwicklung" gibt es nach nur einer Amtsperiode
nicht mehr. Setzt das neue Rektorat andere Schwerpunkte?
Prof. Happel: Ein gesondertes Prorektorat für Internationale
Entwicklung ist nicht eingerichtet worden, da die Problematik der "Internationalisierung"
im Grunde alle Bereiche der Rektoratsarbeit berührt. Arbeitstechnisch
ist der Bereich "Internationales" beim Prorektor für Studium und Lehre
angesiedelt. Die verstärkte internationale Ausrichtung der TU Chemnitz
in Forschung und Lehre ist und bleibt ein zentrales Anliegen des Rektorates.
Mit der Gründung des "Internationalen Universitätskollegs" ist auch
eine institutionelle Verankerung geschaffen worden, die das Rektorat
darin unterstützt. Während hier die noch vom alten Rektorat initiierten
Akzentsetzungen aufgegriffen wurden und fortgeführt werden, ist es eher
so, dass das Rektorat in dem Bereich des Prorektorats "Planung und Hochschulentwicklung"
einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt. Hier sollen in engem Konnex mit
der Universitätsverwaltung zentrale Aspekte universitärer Zukunftsplanung
(u.a. Bedarfsplanung im Sach- und Personalbereich, Implementierung von
budgetären Steuerungsinstrumenten im Zusammenhang des künftigen Globalhaushalts)
im nationalen und internationalen Kontext erörtert und in den Entscheidungsprozess
eingebracht werden. Darüber hinaus sollen von dieser Basis aus weitergehende
Überlegungen zur Hochschulentwicklungskonzeption vorbereitet und vorgetragen
werden. Dass konkrete Konzepte aber erst nach Vorlage des endgültigen
Berichts der SHEK bzw. seiner Umsetzung im Landesentwicklungsplan möglich
sein werden, versteht sich von selbst.
Wohin sollte sich die TU Chemnitz aus Sicht des Planungsexperten
in den nächsten Jahren entwickeln, um sich im Wettbewerb mit anderen
Hochschulen auch über die Landesgrenzen hinaus zu behaupten?
Prof. Happel: Die Universität sollte den eingeschlagenen Weg
im Aufbau attraktiver interdisziplinärer Studiengänge konsequent weiterverfolgen.
Dabei ist in einigen Bereichen ein kritischer Rückblick durchaus fruchtbar.
Ich denke dabei an eine teilweise hinderliche Fakultätenstruktur. Zum
anderen sollten konsequent transfakultäre Zentren etabliert werden,
an denen Forschungsaktivitäten gebündelt und Abschottungen gegenüber
herkömmlichen Strukturen verhindert werden können. Die TU Chemnitz wird
dadurch ein klar erkennbares universitäres Profil behalten, dass aber
dabei Freiräume für individuelle Aktivitäten keineswegs ausschließen
sollte.
Wird die vom vorangegangenen Rektorat auf den Weg gebrachte Entwicklungskonzeption
fortgeschrieben?
Prof. Grünthal: Selbstverständlich wird das Rektorat auf den
konzeptionellen Schwerpunkten Internationalität, Interdisziplinarität
und Regionalität aufbauen; trotz oder gerade wegen der zu erwartenden
Einschränkungen bei den Sach- und Personalmitteln ist beabsichtigt,
die definierten Profillinien der TU in Forschung und Lehre weiter zu
schärfen.
Das vereinte Europa bringt uns nicht nur den Euro. Wie stellt sich
die TU Chemnitz auf die Globalisierung in Studium und Forschung ein?
Prof. Lang: Wir sind uns der Notwendigkeit einer Internationalisierung
in Studium und Forschung wohl bewusst. Dabei gilt es jedoch, ausgehend
von den Be-sonderheiten unserer Universität und auch des Stand-ortes
Chemnitz bestimmte Schwerpunkte bei der Internationalisierung zu setzen.
Dazu gehört, dass wir versuchen wollen, dass bereits angelegte internationale
Grundprofil der Universität als Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa
zu nutzen. In diesem Sinne ist insbesondere der Studiengang "European
Studies" hervorzuheben, der sich erstmalig nicht nur auf westeuropäische
Studien konzentriert, sondern gleich-gewichtig und ganz bewusst mittel-
und osteuropäische Länder mit einbezieht. Darüber hinaus soll in der
nächsten Zeit vor allem der Anteil von Lehrveranstaltungen erhöht werden,
die in einer anderen Sprache angeboten werden. Globalisierung und Internationalisierung
bedeuten aber zugleich, dass unsere Absolventen zunehmend nicht nur
in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern eingesetzt werden. Dazu
gehört, dass sie in der Lage sind, in anderen Kulturen kompetent zu
handeln und mit Partnern aus verschiedenen Ländern gemeinsam zu arbeiten.
In diesem Sinne ist vor allem das große Interesse am Fach "Interkulturelle
Kommunikation" ein Beleg dafür, dass die TU auch hier auf dem richtigen
Weg ist. Ausgebaut werden soll darüber hinaus das zentrale Angebot an
Austauschplätzen für unsere Studierenden. Im Bereich der Forschung gibt
es dagegen bereits vielfältige internationale Kontakte, die es zu intensivieren
gilt.
Prof. Matthes ergänzt: Die EU-Forschungstätigkeit an der Chemnitzer
Universität ist im Zeitraum von 1996 bis 2000 ständig gewachsen. Dieser
Zuwachs drückt sich in einer Steigerung der Projektanzahl von fünf Projekten
im Jahr 1996 auf 17 Projekte im Jahr 2000 aus. Diese 17 Projekte wurden
mit finanziellen Mitteln in Höhe von 1.039.000 Mark bewilligt und verteilen
sich auf alle Fakultäten. Erfolgreich bei der Aquirierung von EU-Forschungsprojekten
sind unter anderem die Professoren Zahn aus der Fakultät für Naturwissenschaften,
Geßner, Krozer und Wanielik aus der Fakultät für Elektrotechnik und
Informationstechnik, Scholl aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
sowie Holly, Rütten und Schöne aus der Philosophischen Fakultät. Im
Rahmen unserer langfristigen Strategiediskussion zum Forschungsprofil
unserer Universität ist es unbedingt erforderlich, den Anteil der EU-Forschungsvorhaben
zu erhöhen. Er beträgt gegenwärtig nur drei Prozent aller Zuwendungen.
An der TU Chemnitz wurden in der jüngsten Ver-gangenheit Bachelor-
und Master-Studiengänge eingeführt. Werden diese neuen Studiengänge
gut angenommen?
Prof. Lang: Die ersten Bachelor- und Masterstudiengänge an der
Universität waren insgesamt recht erfolgreich und werden zunehmend besser
angenommen. Das gilt vor allem für den neugestarteten Studiengang "Medienkommunikation",
bei dem sich auf Anhieb 81 Studierende eingeschrieben haben. Wir werden
diesen erfolgreichen Weg fortsetzen, ohne jedoch vorschnell unsere bewährten
Diplomstudiengänge sowie interdisziplinären Profile im Bereich des Chemnitzer
Modells der Magisterstudiengänge leichtfertig aufzugeben.
Wird die Akkreditierung auch an der TU Chemnitz als Mittel der Qualitätssicherung
neuer Studiengänge angesehen?
Prof. Lang: Die neuen Studiengänge verlangen auch, dass eine
entsprechende Qualität gewährleistet werden muss. Die gilt jedoch nicht
nur für die Bachelor- und Master-Studiengänge, sondern für die TU insgesamt.
Nach einem für uns erfreulichen Anwachsen der Studierendenzahl wird
es in der nächsten Phase der Entwicklung unserer Universität darum gehen,
die gute Qualität zu erhalten, die ja ein wichtiges Markenzeichen der
TU Chemnitz auch nach außen war und ist. In diesem Sinne sind alle Maßnahmen
von Bedeutung, die der Qualitätssicherung der Studiengänge dienen können.
Die Akkreditierung ist dabei ein wichtiges strategisches Instrument,
wobei hier sicher Prioritäten gesetzt werden müssen. In diesem Sinne
hat die Universität aktiv an der Vorbereitung der Gründung eines Akkreditierungs-,
Certifizierungs- und Qualitätssicherungsinstitutes (AQUIN) mitgewirkt,
das Ende Januar in München gemeinsam mit Universitäten aus Österreich,
Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Brandenburg gegründet
worden ist. Die Mitgliedschaft in diesem Verbund sichert für uns eine
zumindest für die Anfangsphase preisgünstigere Akkreditierung (15.000
Mark für Mitglieder, 20.000 Mark für Nichtmitglieder). Ich möchte aber
darauf verweisen, dass die Akkreditierung sicherlich nicht das einzige
Mittel der Qualitätssicherung ist. Vielmehr geht es auch darum, interne
Maßnahmen zur Qualitätssicherung wie Evaluierungen von Lehrveranstaltungen,
Studierenden- und Absolventenbefragungen etc. zu realisieren.
An deutschen Hochschulen wird die Evaluation immer populärer. An
der Chemnitzer Universität wurden in den vergangen Jahren mehrere Fakultäten
und Bereiche unter die Lupe genommen. Was haben diese Evaluationen gebracht
und wie geht's weiter?
Prof. Happel: Ein Schwachpunkt ist sicherlich die Umsetzung
von Ergebnissen der Evaluationen. Dies scheitert teilweise, aber nicht
immer an den fehlenden Ressourcen. So wären Tutorenprogramme sicherlich
wünschenswert, sie sind aber nicht immer finanzierbar. Trotzdem sind
Evaluationen ein immer wichtiger werdendes Instrument für Planungsentscheidungen.
Man sollte dieses Instrument allerdings nicht auf die Lehre beschränken,
sondern auch auf zentrale Einrichtungen und Fächer der Universität ausweiten.
Die CDU-Landtagsfraktion möchte, dass die TU Chemnitz in den Modellversuch
Globalhaushalt aufgenommen wird. Herr Alles, wie sehen die Chancen dafür
aus und welche Voraussetzungen muss die TU noch erfüllen?
Alles: Mit unserem Projekt "Moderne Verwaltung" ("MOVE") haben
wir im letzten Jahr wesentliche konzeptionelle Grundlagen dafür geschaffen.
Sie müssen noch weiter konkretisiert werden. Für dieses Ziel sind eine
gründliche Abstimmung mit dem Land und eine Richtungsentscheidung hinsichtlich
der Einführung einer integrierten Standardsoftware unbedingt notwendig.
Viele verbinden mit einem Globalhaushalt mehr finanzielle Spielräume,
manche erhoffen sich sogar mehr Geld. Welche Vor- und Nachteile verbinden
sie mit dieser neuen Form der Haushaltsbewirtschaftung?
Alles: Grundsätzlich wird der TU Chemnitz auch bei einem
Globalhaushalt zunächst nicht mehr Geld zur Verfügung stehen.
Die haushaltswirtschaftliche Flexibilisierung ermöglicht aber mehr
Freiheit und Eigenverantwortung hinsichtich des konkreten Mitteleinsatzes.
Wenn wir umfassend selbst entscheiden, wofür die Mittel eingesetzt
werden, können wir auf der Grundlage einer Planungseinheit insbesondere
auf der Ebene der Fakultäten planen, flexibler agieren und die
Effiktivität unseres Handelns erhöhen. Konkret bedeutet dies,
dass für wichtige profilfördernde Maßnahmen mehr Geld
eingesetzt werden könnte, wenn es bei anderen Zwecken eingespart
wird.
In der Universitätsverwaltung wurde in den vergangenen Monaten
im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön rotiert - Strukturen wurden
verändert, neue Bereiche entstanden, Mitarbeiter wurden mit neuen
Aufgaben betraut. Sind dies erste Ergebnisse des Projektes MOVE und
haben sich die Veränderungen bereits bewährt?
Alles: Die Ergebnisse von MOVE haben dazu geführt, dass
einige Änderungen bereits realisiert wurden, eine Umsetzung insgesamt
kann jedoch erst mittelfristig erfolgen und bedarf als Voraussetzung
die bereits erwähnte Software-Entscheidung. Andere, für die
langfristige Entwicklung der Universität getroffenen Organisationsentscheidungen
können zum jetzigen Zeitpunkt keiner Erfolgsbeurteilung unterzogen
werden. Die angelaufenen Aktivitäten und Konzepte sind jedoch sehr
Erfolg versprechend.
Kanzler von Hochschulen klagen in der Regel über zu wenig Haushaltsmittel.
Haben sie Ideen, wie die TU unabhängig vom Staat zu mehr Geld kommen
kann?
Alles: Wie bereits Erfolge aus der jüngeren Vergangenheit
zeigen, können über Einwerbung von Stiftungsprofessuren bzw.
durch Sponsoring und er Einwerbung von Spenden bestimmte Bedarfe gedeckt
werden. Über den Ausbau eines systematischen Sponsorings eingebettet
in ein regionales und überregionales Netzwerk unter Einbeziehung
der Alumnis sowie der Verwertung von Weiterbildungsangeboten muss die
Erschließung von Finanzierungsquellen verstärkt werden.
Wie wollen sie die Uni noch besser in der Stadt verankern und was
wünschen sie sich in diesem Zusammenhang von den Chemnitzer Stadtvätern?
Prof. Grünthal: Die Universitöt muss noch viel stärker
als bisher, nicht in der, sondern in Ihrer Stadt präsent sein.
Dazu gehören öffentliche Vorträge. So wird derzeit die
Veranstaltungsreihe "Literaturstadt Chemnitz" im Rathaus-Saal
vorbereitet. Außerdem laden wir alle Bürger der Region am
4. Juli zum Campus-Fest der Uni in die neue Mensa ein. Zukünftig
sollten Stadt und Universität im Marketing gemeinsam an einem Strang
ziehen, insbesondere bei Präsentationen außerhalb Sachsens.
Sicher gibt es auch in der Forschung noch genügnd Ansätze
zur Zusammenarbeit.
Prof. Grünthal, was würden Sie für die dringlichste
Aufgabe in der nächsten Zeit ansehen?
Prof. Grünthal: Die weitere Steigerung des Bekanntheitsgrades
der Leistungsfähigkeit der TU Chemnitz in der Stadt, in der Region
und über die Landesgrenzer hinaus. Dies setzt eine noch viel stärkere
Identifikation aller Universitätsangehörigen mit ihrer eigenen
Einrichtung voraus - oder neudeutsch: Die "corporate identity"
muss täglich praktiziert, nicht nur deklamiert werden.
Und nun die abschließende Frage: Bleibt neben dem Job im Rektorat
noch Zeit für ein Hobby?
Prof. Happel: Manchmal bleibt mir sogar Zeit, mich meiner mathematischen
Forschung zu widmen. Dies ist sozusagen momentan mein Hobby.
Prof. Grünthal: Ich musiziere, zumindest an einigen Wochenenden
und solange ich noch Gastrecht in der Wilhelm-Raabe-Straße genieße
- da steht nämlich ein Löbauer Förster-Flügel.
Prof. Lang: Sehr viel Zeit bleibt nicht. Als Ausgleich und Entspannung
gibt es für mich etwas Gartenarbeit. Darüber hinaus höre
ich auch gern etwas Musik, meist Blues oder Rockmusik.
Prof. Matthes: Zu meinen Hobbies zählen Wandern, Klettern,
Tanzen, die Arbeit im Garten und ab und zu das Fitnesstraining, jedoch
kann ich im Monat die freien Stunden dafür an zwei Händen
abzählen.
Alles: Soweit Zeit vorhanden, treibe ich Ausgleichssport, ansonsten
mag ich Musik und reise gern.
Vielen Dank für das Gespräch.
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