Ist Wissen Kapital?400 Zuhörer verfolgen Debatte zu den Einsparungsplänen an den sächsischen Hochschulen |
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| (PES) Es versprach, eine hitzige Debatte zu werden, als die Technische Universität Chemnitz am 11. Januar 2001 im Rahmen des "Dies academicus" zur Podiumsdiskussion mit dem brisanten Thema: "Wissen ist Kapital! - Erspart sich Sachsen seine Zukunft?" eingladen hatte. Über 400 Studenten, Universitätsmitarbeiter, Lehrer und interessierte Chemnitzer drängten sich in den bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal. Was bereits 10.000 Studenten vor dem Sächsischen Landtag in Dresden lautstark forderten, sollte hier nun im Podium, bestehend aus Vertretern des Deutschen Bundestages, des Sächsischen Landtages, der Stadt Chemnitz sowie aus Universität und Wirtschaft erörtert werden. Uni-Rektor Professor Günther Grünthal betonte in seiner einführenden Rede ausdrücklich, dass Bildung die Zukunft des Landes ist und sprach den Studenten sofort ins Herz. "Politik bedeutet Geld ausgeben. Die Verschuldung des Landes lässt es aber nicht zu, dass Politiker so handeln, wie sie es gerne würden", sagte der Rektor und provozierte somit die anwesenden Podiumsmitglieder. Nicht nur die von der Sächsischen Hochschulentwicklungskommision drohende Kürzung von 1.715 Stellen an sächsischen Unis sondern auch andere Themen der Hochschulpolitik standen zur Diskussion, die von Dagmar Ruscheinsky (Freie Presse) geleitet wurde. Gegen die Entlassung der Hochschulmitarbeiter sprach sich Dr. Rainer Jork (CDU) aus. "Wenn ein Student möglichst in der Regelstu-dienzeit ein brauchbares Ergebnis abliefern soll, dann muss an den Hochschulen auch gewährleistet sein, dass es die dortigen Bedingungen auch zulassen", betonte das Landtagsmitglied. Professor Cornelius Weiss (SPD), langjähriger Rektor der Universität Leipzig, warnte vor einer Ausbreitung der Werkbank-situation im Osten. "Auf 1.000 Einwohner kommt bei uns ein Forscher in der Industrie. Europaweit liegt diese Zahl aber bei 2,6 Wissenschaftlern. Deshalb müssen die Einrichtungen im Osten besonders durch den Bund unterstützt werden", forderte Weiss. Einen Vorschlag zur Neufinanzierung zwischen Bund und Ländern machte Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, Landessprecher der Bündnis 90/Die Grünen. "Es ist denkbar, dass der Bund weiter für BAföG zuständig ist. Hinzukommen könnte ein vom Bund pro Student gezahlter Zu-schuss. Dies würde die Länder motivieren, den Universitäten einen entsprechenden Stellenwert einzuräumen", erklärte Gerstenberg. Er betonte aber gleichzeitig, dass im Bundeshaushalt 2001 16 Milliarden Mark für Universitäten und Hochschulen vorgesehen seien. Die jetzige Regierung gebe schon mehr Geld aus als die CDU/FDP-Regierung. Den meisten Applaus erntete an diesem Tag sicher die Geschäftsführerin der IT-Services und Solutions GmbH in Chemnitz, Dr. Kerrin Winkler, für ihre deutlich formulierten Argumente: "Es werden Hochschulabsolventen und Facharbeiter wie Stecknadeln im Heuhaufen gesucht. Standortentscheidungen werden heute nicht mehr nur nach der verkehrstechnischen Anbindung, sondern nach Bildung und Wissen entschieden. Durch die universitäre Landschaft haben wir doch die einzigartige Möglichkeit, uns europaweit zu präsentieren. Wenn zum Beispiel an der Weiterbildung gespart wird, würden wir das spätestens in einem Jahr merken", bestärkte sie die Forderung, Wissen als Kapital zu berechnen. Wie wichtig eine Universität für die Zukunft der Stadt Chemnitz ist, stellte Oberbürgermeister Dr. Peter Seifert dar: "Die Finanzierung ist doch nur eine Frage der Verteilung. Aber sparen sollte man nicht an der Ausbildung. Wird die Universität in irgendeiner Weise durch Einsparungen gefährdet sein, marschiere ich gemeinsam mit den Studenten nach Dresden", errang sich Seifert schnell die Sympathien der Studenten. Deren Vertretung durch Alexander Hermann vom Studentenrat, durfte im Podium, und es war schon fast symbolisch, zuletzt das Wort ergreifen. "Ich stelle mal die Frage, wie sich eine Hochschulentwicklungskommision die Aufgabe stellen kann, 1.000 Stellen zu streichen. Es müssen schnellstens Stiftungsprofessuren entstehen. Man sollte sich an den sächsischen Unis stärker mit der Grundlagenforschung befassen. Wir wollen ja nicht alles umkrempeln, aber ich denke wir haben ein Recht darauf, als direkt Beteiligte bei der Hochschulpolitik mitbestimmen zu können", sprach Alexander Hermann und hatte den gesamten Hörsaal, in dem nicht nur Kommilitonen sondern auch viele Professoren und Mitarbeiter saßen, hinter sich. Zum Schluss blieb die Frage offen, ob die Diskussion wieder nur ein Pflichtbesuch der Politiker war, oder sich einige der Herren in Zukunft, wie vor versammeltem Hörsaal versprochen, stärker für die Zukunft unseres Landes einsetzen. Es geht doch schließlich nicht darum, ob sich Bildung finanziell lohnt, es ist vielmehr eine Investition, deren Früchte wir noch Generationen später ernten werden. |
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Zur Podiumsdiskussion
anlässlich des "Dies academicus" referierten und diskutierten Vertreter
des Deutschen Bundestages, des Sächsischen Landtages, der Stadt Chemnitz
sowie aus der Universität und der Wirtschaft. Die Moderation hatte Dagmar
Ruscheinsky (3.v.r.) von der Freien Presse Chemnitz fest im Griff. Foto: Christine Kornack |