Die "verborgenen Talente" des Ulrich HahnMitarbeiter der TU ist begeisterter Hobbymaler - Landschaftsbilder strahlen Wärme aus |
|
(PES) Kahler kann ein Büro kaum aussehen - graue Wände, kümmerliche Blumenstöcke und ein großer Schreibtisch, auf dem PC, Telefon und große Stapel von Akten liegen. Es ist der Arbeitsplatz von Dr. Ulrich Hahn, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz. Der triste Raum spiegelt das ganze Gegenteil von dem wider, woraus Hahns Leben neben Vorlesungen, Seminaren und Versuchsfeldern besteht. "Ich kann sehr gut trennen zwischen Arbeit und privaten Dingen. Natürlich zeigt dieser Raum nicht mein wahres Gefühlsleben", sagt der 57-Jährige und erzählt bescheiden von seinem liebsten Hobby, dem Malen. Dieser Freizeitbeschäftigung hat er sich in den letzten sechs Jahren wieder besonders intensiv gewidmet. "Ich habe mir als Jugendlicher oft gewünscht einen Beruf im künstlerischen Bereich zu erlernen, aber mein Vater, ein Uhrmacher, warnte mich. Er sagte, Kunst sei brotlos. So machte ich eine Uhrmacherlehre und an der Abendschule das Abitur", erzählt Hahn, der von 1964 - 1969 an der Uni in Chemnitz Maschinenbau studierte und seit 24 Jahren an der Hochschule seinem Beruf nachgeht . Gekonnte Vereinfachung statt detailgetreuer Malweise Wer in den Genuss kommt, die Bilder Ulrich Hahn´s anzuschauen, erkennt seine Leidenschaft zu Landschaft und Natur. Am liebsten holt der Hobbykünstler sich neue Anregungen in der Mulden- und Chemnitztalregion. Der Betrachter wird fasziniert von der Vereinfachung seiner Motive mit einer kräftigen Malweise. Man wird in der Sammlung seiner vielen Werke nicht viele Bilder finden, die jedes Detail wiedergeben, vielmehr lässt er Phantasien walten. "Man wird einfach positiv beeinflusst, wenn man die Bilder meines Mannes anschaut. Sie drücken so viel Stimmungen und Gefühle aus. Man erkennt sofort an der Farbgebung, wie es ihm beim Malen ging", ist seine Frau Ingrid von dem besonderen Hobby ihres Mannes begeistert. Jedes Bild hat eine Geschichte In Taura, seinem Wohnort, haben sich die Hahn´s ein wahrliches Paradies geschaffen. Das Haus, gebaut in den 30er Jahren ist von riesigen Bäumen, Hecken und Sträuchern umrandet. Auch hier findet Ulrich Hahn seine Motive, die er dann mit Acrylfarben auf die Leinwand zaubert. Ingrid Hahn, die wohl zu seinen größten Bewunderern zählt, führt Bekannte mit Begeisterung durch das Haus, wo die Werke in sämtlichen Zimmern hängen. "Er ist nicht nur ein Maler fürs Herz, er ist der Maler mit Herz. Seine Bilder strahlen so viel Nähe und Wärme aus", schwärmt sie von der schönen Leidenschaft ihres Mannes. In der 30 Quadratmeter großen Malstube kann sich Ulrich Hahn in Jeans und altem Hemd so richtig austoben, Farben mischen, Pinsel schwingen und das verewigen, was ihn in der Natur so fasziniert. Dabei geht es ihm nicht ums Detail, sondern um die Stimmungen und Gefühle, die das Bild am Ende ausstrahlen soll. "Oft gehen wir zusammen in die Natur. Ich mache dann Skizzen, wenn mir was gefällt. Ich war aber auch schon mit der Staffelei unterwegs", erzählt der Künstler. Zu jedem Bild weiß auch seine Frau eine kleine Geschichte zu erzählen. "Einmal sind wir bei Wechselburg spazieren gegangen. Ich er-zähle so und auf einmal war mein Mann verschwunden. Ich habe ihn dann quietschvergnügt der Länge nach am Boden liegen sehen, als er gerade eine Studie von ein paar Buschwindröschen machte. Heute hängt das fertige Werk in seinem Malzimmer", schmunzelt Ingrid Hahn. Hahn´s erste Ausstellung Stolz erzählen die Beiden von ihrer ersten Ausstellung im Juni vergangenen Jahres. "Eigentlich male ich ja als Spaß an der Freude und nicht um mich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das meiste hat meine Frau gedeichselt. Ich kann zwar einigermaßen Bilder malen, aber aufhängen kann ich sie nicht", lächelt der "Meister". Mit Akribie und gestalterischem Auge hat Ingrid Hahn im schönen Wirtshaus "Beedle Heem" in Beedeln 60 der schönsten Bilder aufgehängt, die mit originellen Namen wie "Traumbaum", "Blechhuhn", "Apfelschnecke" oder "Puppenmädel" versehen waren. Über 200 Besucher, darunter natürlich viele Bekannte Hahn´s, aber auch Fremde, konnten sich von den "verborgenen Talenten" des Hobbymalers überzeugen. Noch heute schaut er sich gern die Zettelchen an, die ihm die Gäste in seinen selbstgefertigten "Wunschbriefkasten" gesteckt haben. "Ein Nachmittag besonderer Klasse! Eine Ausstellung besonderer Klasse! Ein Künstler besonderer Klasse! - Wunsch: ein echter Hahn im Wohnzimmer! Wir sind bereit zu warten...", oder "Mit den wunderschönen Bildern in dieser bezaubernden Athmosphäre ist euch etwas ganz besonderes gelungen. Das Betrachten der Bilder hat uns Momente der Freude geschenkt. Könnt ihr euch von den Schneebällen trennen. Wir hätten einen schönen Platz dafür", waren nur zwei Feedbacks auf die gelungene Ausstellung. Pro Woche ein Bild Wenn der Dozent der TU Chemnitz abends zu Hause angekommen ist, zieht es ihn oft hinauf in sein Reich, wo sein nächstes Werk "in Fertigung" ist. Oder er steigt hinunter in den Keller und fertigt passende Bilderrahmen. Hier findet er den optimalen Ausgleich zu seinem oft sehr theoretischen Beruf. In der Woche entsteht ein Bild, das sind knapp 50 im Jahr. "Noch haben wir genug Platz im Haus, aber irgendwann muss ich mich von einigen Bildern trennen. Das wird ganz gewiss sehr schwierig, weil ich ja nicht male, um daraus Profit zu schlagen", sitzt der bescheidene Künstler in der "Zwickmühle". Interessenten gibt es mittlerweile für die meisten der bis zum 1,0 mal 1,20 Meter großen Landschaftsbilder. "Wir haben von einem jungen Paar mal ein altes Sofa geboten bekommen, wenn ich ihnen ein Bild vermache", erinnert sich der sympatische Hobbymaler. Wer weiß, vielleicht lässt Ulrich Hahn bald auch das Umfeld der Uni mit einer Ausstellung auf dem Campus in sein wahres Gefühlsleben blicken. Dann versteht vielleicht auch der Letzte, warum sein Büro an der Reichenhainer Straße 70 so trist und kahl ist. |
| Dr. Ulrich Hahn,
wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Professur Print- und Medientechnik
bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung. Foto: Christine Kornack |
|
![]() |
Momentaufnahmen der
Natur: "Bodenseeobst" . Foto: privat |
![]() |
Momentaufnahmen der
Natur: "Fingerhüte". Foto: privat |
![]() |
Auf die Leinwand
gebrachte Stimmungsbilder: Ausschnitt aus "Waldenburg" . Foto: privat |
![]() |
Auf die Leinwand
gebrachte Stimmungsbilder: Ausschnitt aus "Sonnenuntergang bei Berthelsdorf" Foto: privat |