Abdrücken ist einfach - Zielen ist schwieriger



Jan Lipowski fängt mit Fotos interessante und schöne Augenblicke des Lebens ein




(PES) Als Kind bekam Jan Lipowski, Mitarbeiter der Professur "Unternehmensrechnung und Controlling" an der TU Chemnitz, von seinem Vater einen gebrauchten Fotoapparat geschenkt. Den ausgedienten Uralt-Fotoapparat hat er noch zu DDR-Zeiten in eine Praktika eingetauscht, ein wie er sagt, "zu den Sternstunden der Osttechnik" zählendem Gerät. Heute ist seine Minolta-Spiegelreflexkamera oft nur einen Handgriff entfernt, denn Jan Lipowski ist zu einem Amateurfotografen aus Leidenschaft geworden.

Mehr als "Schreiben mit Licht"

Wenn man heute das Wort "knipsen" in den Mund nimmt, dann runzelt sich die Stirn des 31-Jährigen. "Abdrücken ist einfach, schwieriger ist das Zielen", lächelt der Doppel-Diplom-Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik und für Wirtschaftswissenschaften. Fotografieren ist für ihn mehr als ein "Schreiben mit Licht", wie die Übersetzung vom Lateinischen ins Deutsche lauten würde. "Ich möchte faszinierende und schöne Augenblicke des Lebens festhalten, die Menschen mit meinen Bildern an den kleinen Schönheiten der Natur teilhaben lassen und etwas Farbe in den Alltag bringen", fasst Lipowski den Grundgedanken seines liebsten Hobbys zusammen. "Das Hirn erweist sich in mancherlei Hinsicht als nicht zuverlässig genug. Erinnerungen verklären sich, Formen verwischen und Farben verblassen. Fotos rufen diese Dinge immer wieder ins Gedächtnis zurück", fügt er noch hinzu.

Fotos erzählen Geschichten

Durch das Radwandern ist der gebürtige Dresdner zur Natur und Kulturfotografie gekommen. "Man kann direkt die vielen Feinheiten mit Augen und Ohren aufnehmen", erzählt Jan Lipowski. Bereits 1991 kehrte er von einer Lappland-Tour mit faszinierenden Aufnahmen zurück. "Man ist dort hautnah an der Natur dran. Oft haben wir lange auf Elche warten müssen, aber früher oder später sind sie mir dann doch vor die Linse gelaufen", ist der Foto-Freak noch heute begeistert. Tieraufnahmen zu machen, so kann er aus eigener Erfahrung berichten, ist eine sehr mühsame Arbeit. Stolz zeigt Lipowski ein Foto, auf dem ihm ein Igel genau ins Objektiv schaut. "Den habe ich ewig mit Brotkrümeln gelockt, ehe er fürs Foto bereit war", schmunzelt er. Er hat die üblichen Sonnenuntergänge in Variationen festgehalten, aber auch Baudenkmäler und nostalgische DDR-Gebäude abgelichtet.
Eine Schrankwandseite hat Jan Lipowski ganz seinem Fotoarchiv gewidmet. Wenn er ein Album aufschlägt, kann er stundenlang erzählen. So hat er einmal bei einem Ausflug nach Potsdam einer Statue ein Funktelefon in die Hand geklemmt und auf den Auslöser gedrückt. "Ich hätte ja auch eine Fotomontage machen können, aber davon halte ich überhaupt nichts. Ich habe das Handy mühsam mit Gummi befestigt. Das ganze habe ich dann Handy-Protzer genannt", lässt Jan Lipowski immer wieder seinen jugendlichen Humor durchblicken. Dieses Foto und einige andere gelungene Aufnahmen zieren die Wände seines Büros an der Uni.

Digital im World Wide Web


1999 fing der damals 29-Jährige an, eine eigene Homepage zu basteln. Entstanden ist eine professionelle Seite, die nicht nur Galerien mit vielen seiner besten Aufnahmen zeigt, sondern auch eine Fotoschule für Einsteiger bereit hält. "Der weltweite Auftritt verpflichtet zu einem gewissen Niveau", betont der Computer-freak. Die Digitalbilder stellt Jan Lipowski den Nutzern zur privaten Wiederverwendung kostenlos zur Verfügung. Im ersten Jahr zählte die Homepage 20.000 Zugriffe, Tendenz stark steigend.Im Mai 2000 wurde sein Webauftritt sogar zur "Computerheft-Fotohomepage" gewählt.

Paralleluniversale Storys

"Das Einzige, was ich mir für mein Hobby noch wünschen würde, wäre eine kleine Ausstellung, damit ich etwas von meinen Erlebnissen weiter geben kann", sagt Jan Lipowski bescheiden. Seinen Wunsch, die Menschen an seinem Leben teilhaben zu lassen, hat er sich bereits verwirklicht. Zusammen mit seinem Freund Matthias Bornitz hat er das Buch "Paralleluniversale Geschichten" im selber gegründeten GUC-Verlag veröffentlicht. Die beiden Ex-Studenten haben sich die Mühe gemacht, viele ihrer Erlebnisse im Studienalltag und im Leben danach in ein Taschenbuch zu bannen.
www.fotoblick.de
www.guc-verlag.de




Der leidenschafliche Amateur-Fotograf Jan Lipowski möchte mit seinem Hobby schöne Augenblicke des Lebens festhalten.
Foto: Jan Lipowski
 "Handy-Protzer"
Foto: Jan Lipowski


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HTML-Version von Enrico Peuschel, 11.Juli 2001