Chemnitzer Leckerbissen auf Maschinenbaumesse

IWU Chemnitz stellte Forschungsschwerpunkte auf der 10. METAV in Düsseldorf vor

BILDEin Messe-Highlight war die Werkzeugmaschine MIKROMAT 6X (Hexapod)

Mit einem richtigen Leckerbissen wartete die 10. METAV - die Internationale Messe für Fertigungstechnik und Automatisierung in Düsseldorf - auf: Vom 16. bis 20. Juni 1998 präsentierte dort die NC-Gesellschaft - Anwendung Neuer Technologien e. V., Ulm, eine Sonderschau zum Thema "Rapid Product Development" (RPD). Mit dabei waren das Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU), Chemnitz, die MIKROMAT Werkzeugmaschinen GmbH, Dresden, und die GPP - Gesellschaft für Prozeßrechnerprogrammierung mbH, Chemnitz. Viele Messebesucher lobten die kompakte Darstellung der gesamten Prozeßkette der Umformtechnik zur RPD-Sonderschau, wo neben neuer Maschinen- und Werkzeugtechnik auch die Integration von moderner Informations- und Kommunikationstechnik in den Prozeß vorgestellt wurde. Das Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Chemnitz präsentierte seine Kompetenz gleich im Viererpack:

Virtuelles Prototyping erkennt Schwachstellen

Auf der METAV wurde der Einsatz von Simulationen am Beispiel der Stadienfolge eines Innenhochdruck-Umformteiles, aber auch zur Analyse und Optimierung komplexer Maschinenstrukturen am Beispiel einer hydraulischen Presse vorgestellt.

Durch die Nutzung der Methode der Finiten Elemente (FEM) lassen sich Umformprozesse hinsichtlich ihrer Machbarkeit, Qualität, Werkzeugauslegung und finaler Bau- teileigenschaften beurteilen und optimieren. Das mit Hilfe von Simulationen ermittelte Formänderungsverhalten läßt nun Rückschlüsse auf die jeweiligen Spannungs- und Deformationszustände sowie irreparable Umformfehler (Falten und Risse) und mögliche Schwachstellen zu.

Der Einsatz der Simulation komplexer Maschinensysteme erfolgt unter Einbeziehung aller signifikanten mechanischen, fluidtechnischen, elektrischen sowie steuerungstechnischen Komponenten. Die Nutzung der vorgestellten Simulationstechnik in einer frühen Phase der Entwicklung ermöglicht sowohl eine größere Sicherheit bei der Auswahl und Dimensionierung als auch eine rapide Zeiteinsparung bei Inbetriebnahme von Pressen.

Modulare Werkzeugsysteme

Gegenwärtig werden vom IWU drei modulare Werkzeugsysteme angeboten: Die Prototypvariante eines segmentierten Werkzeugsy- stemes zum Tiefziehen, Abkanten und Schneiden bzw. Lochen mittlerer bis großer Blechformteile (wurde in Düsseldorf vorgestellt); das modular aufgebaute Werkzeugsystem für Biege- und Abkantaufgaben sowie ein kostengünstiges Werkzeugsystem zum Lochen und Ausklinken. Alle Werkzeugeinheiten besitzen die gleiche Arbeitshöhe, so daß Baueinheiten zu Folgeschneidwerkzeugen zu-sammengestellt werden können, was die Fertigung sehr flexibel macht.

Kraftpaket mit sechs Achsen

Besonderer Anziehungspunkt war, wie bereits zur Premiere auf der EMO 97 in Hannover, die vom IWU Chemnitz gemeinsam mit der MIKROMAT Werkzeugmaschinen GmbH Dresden entwickelte Werkzeugmaschine MIKROMAT 6X (Hexapod). Die Maschine ist mit sechs längenveränderlichen Streben ausgerüstet, die jeweils über direkte Meßsysteme verfügen. Damit steht nun den Firmen des Werkzeug- und Formenbaus eine Maschine zur Verfügung, die die Vorteile einer Hochgeschwindigkeitsbearbeitung mit denen einer 5-Achsbearbeitung vereint. Mit Hilfe der Maschinen- und Steuerungsstruktur kann die vorhandene, jedoch vom NC-Programm nicht genutzte, sechste Achse zur An-steuerung zusätzlich integrierter Technik verwendet werden. Durch die optimale Anstellung des Werkzeuges zur Bearbeitungsoberfläche ist ein reduzierter Werkzeugverschleiß, eine wesentliche Verbesserung der Formgenauigkeit und der Oberflächengüte realisierbar.

Integriertes Prozeßmanagement

Ein weiteres Exponat war ein Workflow-Managementsystem, das Teilprozesse zu einem Gesamtprozeß verknüpft und Prozeßabläufe überwacht. Über Schnittstellen lassen sich spezielle Softwarekomponenten (zum Beispiel Konstruktionsmodule, Planungswerkzeuge und Fertigungssteuerungssoftware) integrieren. Der Informationsaustausch basiert auf der Weiterleitung von elektronischen Dokumenten, wie etwa Auftragspapieren und Checklisten.

Da auch die Fachpresse positiv auf den Messeauftritt des Fraunhofer Institutes für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik reagierte, blicken die IWU-Mitarbeiter schon hoffnungsvoll auf zukünftige Messeauftritte.

Dr. Andrea Stoll
Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik Chemnitz

Messeauftritte des IWU 1998

12. - 16.10.1998 - München
MATERIALICA 98 Internationale Fachmesse für innovative Werkstoffe, Verfahren, Bearbeitung und An-wendung
20. - 24.10.1998 - Hannover
Euro-Blech Internationale Technologie-Messe für Blechbearbeitung
2. - 6.12.1998 - Frankfurt
Euromold Internationale Messe für Werkzeug- und Formenbau, Design und Produktentwicklung

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HTML-Version von Ralph Meyer, 22. Oktober 1998