Kunst für KönnerWie das neue Hörsaalgebäude der Uni verschönert wird
(HJG) Noch in diesem Winter wird es eröffnet - das langersehnte und dringend benötigte neue Hörsaalgebäude der Uni an der Reichenhainer Straße. 37,8 Millionen Mark hat es gekostet, und vier Hörsäle und 14 Seminarräume bieten Platz für mehr als zweieinhalbtausend Studenten. Besonders wichtig: der Große Hörsaal mit 714 Plätzen, der einen drückenden Engpaß beseitigt. Aber ein neues Unigebäude soll nicht nur seinen Zweck erfüllen, es soll auch schön aussehen und das Auge ansprechen. Neben dem Architekten sollen dazu auch Künstler beitragen. Seit 1950 gibt es in der Bundesrepublik eigens eine Richtlinie für "Kunst am Bau", die später von den Ländern und Kommunen übernommen wurde. Danach können bis zu zwei Prozent der Bausumme - meist sind es freilich erheblich weniger - für Kunstwerke in, vor oder an den Gebäuden ausgegeben werden. Ähnliche Vorgaben kannte man auch in der DDR. Also luden die Uni und das Staatshochbauamt als Bauherr neun Künstler, die bereits eine Vorauswahl passiert hatten, zu einem Ideenwettbewerb ein. Die Bedingungen: Die Schöpfungen sollten eine Verbin- dung zwischen Wissenschaft und Kunst herstellen, auch die Technik sollte nicht zu kurz kommen. Der siebenköpfigen Jury gehörten neben Uni-Rektor Prof. Christian von Borczyskowski und Hörsaal-Architekt Prof. Meinhard van Gerkan auch Vertreter des Sächsischen Finanz- und des Wissenschaftsministeriums sowie zwei Künstler an. Aus den Vorschlägen wählte die Jury eine Arbeit des Dresdener Künstlers Stefan Nestler mit dem Titel "Denk- und Wahrnehmungsmodell zum Phänomen der Farbe" und eine weitere des Hamburgers Stephan von Huene mit dem Titel "Der Halbleiter von Chemnitz" aus. Die Arbeit Nestlers besteht aus zwei Teilen: einmal aus 188 unterschiedlich langen Stahlstäben, deren oberes Ende in allen Farben des Regenbogens bemalt sind, und einmal aus ebenfalls 188 Glastafeln. Die Stahlstäbe sollen vor dem Gebäude aufgestellt werden, die Glastafeln im Lichthof von der Decke hängen. Beide sollen auf ein Gebiet der Physik, die optische Spektroskopie, hinweisen, und das Licht brechen und spiegeln. Der "Halbleiter" von Huenes dagegen ist eine übermannshohe, mit Sensoren bestückte Figur, die ihre Glieder bewegt, wenn man sich ihr nähert. Sie soll im Foyer des neuen Gebäudes aufgestellt werden und veranschaulicht die Möglichkeiten der modernen Mikroelektronik. Bessere Symbole für die Chemnitzer Uni hätten sich wohl schwerlich finden lassen, gehört sie doch gerade auf diesen beiden Gebieten zu den führenden Unis Deutschlands, ja sogar Europas. Während die Skulpturen Nestlers zur Inbetriebnahme des Gebäudes - voraussichtlich im No-vember/Dezember - bereits besichtigt werden können, muß die Figur von Huenes noch einen Probelauf hinter sich bringen, bevor sie endgültig installiert werden kann; schließlich soll ja nichts schiefgehen.
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