Dr.-Ing. habil. Rico Wittwer

Zwangsmobilität und Verkehrsmittelorientierung junger Erwachsener

Eine Typologisierung

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Kurzfassung in Deutsch

In der Mobilitätsforschung entstand in den vergangenen Jahrzehnten eine breite Wissensbasis für das Verständnis von Verkehrsursachen und Zusammenhängen, die das Verkehrsverhalten determinieren. Mit der Entwicklung von Verkehrsmodellen lag das Forschungsinteresse zunächst primär bei Ökonomen und Ökonometrikern sowie Verkehrsingenieuren. Bald kamen andere Wissenschaftsbereiche wie die Psychologie oder die Geowissenschaften hinzu, welche sich in der Folge zunehmend mit dem Thema Mobilität befassten und die zur Erklärung des menschlichen Verhaltens ganz unterschiedliche Methoden und Maßstäbe nutzten. Heute versuchen zumeist handlungsorientierte Ansätze, auf Individualebene, Faktoren zu bestimmen, die Aufschluss über die Verhaltensvariabilität in der Bevölkerung geben und damit einen möglichst großen Beitrag zur Varianzaufklärung leisten. Werden Einflussfaktoren in geeigneter Weise identifiziert und quantifiziert, können Defizite und Chancen erkannt und das Verhalten steuernde Maßnahmen entworfen werden. Mit deren Hilfe wird ungewollten Entwicklungen entgegengesteuert.

Junge Erwachsene stellen aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Phasen im Lebenszyklus, z. B. gerade anstehender oder abgeschlossener Ausbildung, Umzug in eine eigene Wohnung, Familiengründung, Neuorientierung in Arbeitsroutinen oder das Einleben in ein anderes Lebensumfeld einer fremden Stadt, intuitiv eine sehr heterogene Gruppe dar. Die Modellierung des Verhaltens ist für diese Altersgruppe besonders schwierig. Aus der Komplexität dieser Problemstellung heraus ist ersichtlich, dass fundierte Analysen zur Mobilität junger Erwachsener notwendig sind, um verkehrsplanerische Defizite aufzudecken und Chancen zu erkennen.

Der methodische Schwerpunkt des Beitrages liegt auf der Bildung einer Typologie des Verkehrsverhaltens junger Erwachsener. Die verwendete Datengrundlage ist das „Deutsche Mobilitätspanel – MOP“. Dabei wird der Versuch unternommen, zunächst Variablen aller relevanten Dimensionen des handlungsorientierten, aktivitätsbasierten Verkehrsverhaltens zusammenzustellen und für eine entsprechende Analyse aufzubereiten. Im Anschluss werden geeignete und in den Sozialwissenschaften erprobte Verfahren zur Ähnlichkeitsmessung eingesetzt, um möglichst verhaltensähnliche Personen zu typologisieren. Im Weiteren finden konfirmatorische Analysetechniken Anwendung, mit deren Hilfe Verhaltenshintergründe erklärt und inferenzstatistisch geprüft werden.

Als Ergebnis wird eine clusteranalytische Typologisierung vorgestellt, die im Anschluss anhand soziodemografischer Indikatoren und raumstruktureller Kriterien der Lagegunst beschrieben wird. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse können objektive und im Idealfall quantifizierbare, d. h. prognosefähige Merkmale zur Bildung verkehrssoziologischer und weitgehend verhaltensähnlicher Personengruppen genutzt werden.

Kurzfassung in Englisch

Over the last few decades of mobility research, a wide base of knowledge for understanding travel determinants and causal relationships in mobility behavior has been established. The development of travel models was at first of interest primarily to economists and econometricians as well as transportation engineers. They were soon joined by other scientific areas such as psychology or the geosciences, which as a result increasingly addressed the theme of mobility and used quite different methodologies and criteria for explaining human behavior. Today, activity-oriented approaches generally attempt to determine individual-level factors that provide information on behavioral variability within the population, thereby contributing greatly to explaining variances. If explanatory factors can be properly identified and quantified, then deficiencies and opportunities can be recognized and measures for influencing behavior can be conceptualized. With their help, undesirable developments can be avoided.

Because of their highly differing stages in life, e.g. upcoming or recently completed education, moving into their own apartment, starting a family, becoming oriented in a work routine or adapting to a new environment in a different city, young adults are intuitively a very heterogeneous group. Modeling the behavior of this age group is particularly difficult. This problem makes it clear that founded analysis of the mobility of young adults is necessary in order to recognize deficiencies and opportunities in transportation planning.

The methodological focus of this work is on creating a typology of young adults’ travel behavior. The base data is from the “Deutsches Mobilitätspanel – MOP” (German Mobility Panel). An attempt is made to gather and prepare all relevant dimensions of decision-oriented, activity-based travel behavior for a corresponding analysis. Afterward, appropriate and proven methods from the social sciences are used to test for similarity in order to identify groups of persons which are as behaviorally homogeneous as possible. In addition, confirmatory data analysis is utilized which helps explain and test, through inferential statistics, determinants of behavior.

The resulting typology from the cluster analysis is presented and followed by a description using sociodemographic indicators and spatial criteria of accessibility. The findings make it possible to use objective and, ideally, quantifiable and therefore forecastable characteristics for identifying sociological population groups within which similar travel behavior is displayed.

weitere Metadaten

übersetzter Titel
(Englisch)
Forced mobility and orientation towards transport modes of young adults: Creation of a typology
Titel der Schriftenreihe
(Deutsch)
Schriftenreihe des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr ; Heft 16/2014
Schlagwörter
(Deutsch)
Junge Erwachsene, Verkehrssoziologie Mobilität, Verkehrsverhalten, Zwangsmobilität, Verkehrsmittelwahl, Typologie, Klassifizierung, exploratorische Datenanalyse, konfirmatorische Datenanalyse, Dimensionsreduktion, Faktorenanalyse, Clusteranalyse, Diskriminanzanalyse, logistische Regression, verhaltenshomogene Personengruppen
Schlagwörter
(Englisch)
Young adults, sociology of transport, mobility, travel behavior, forced mobility, choice of transport modes, typology, classification, exploratory data analysis, confirmatory data analysis, reduction of dimension, factor analysis, cluster analysis, discriminant analysis, logistic regression, homogeneous groups of persons
DDC Klassifikation620
RVK KlassifikationZO 3300, QR 800
Institution(en) 
HochschuleTechnische Universität Dresden
FakultätFakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List"
ProfessurProfessur für Verkehrs- und Infrastrukturplanung
BetreuerProf. Dr.-Ing. Gerd-Axel Ahrens
GutachterProf. Dr.-Ing. Gerd-Axel Ahrens
Prof. Dr. phil. habil. Bernhard Schlag
Prof. Dr.-Ing. habil. Christian Holz-Rau
DokumententypHabilitation
SpracheDeutsch
Tag d. Einreichung (bei der Fakultät)02.04.2014
Tag d. Verteidigung / Kolloquiums / Prüfung12.12.2014
Veröffentlichungsdatum (online)23.01.2015
persistente URNurn:nbn:de:bsz:14-qucosa-158952
ISSN1432-5500

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