Elke Bovier

Emanzipatorische Erziehung und Gewalt an Schulen: Linke Lehrer zwischen paedagogischem Anspruch und Burnout

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Kurzfassung in Deutsch

Der Zustand der Schulen in Deutschland ist in den letzten Jahren zunehmend in den
Mittelpunkt des oeffentlichen Interesses geraten. Dabei werden in erster Linie ansteigende
Fremdenfeindlichkeit und Gewalttaetigkeit der Schuelerschaft verzeichnet. Haeufig wird dies
begruendet mit einem Versagen der emanzipatorischen Erziehung; die Gewalt von rechts wird
als Folge der linken Aufklaerung gedeutet. Angesichts der Tatsache, daß ein Großteil der
amtierenden Lehrerschaft zumindest in den alten Bundeslaendern zur Generation der sog. 68er
zaehlten, bietet sich als Erklaerung an, von einem Versagen der Prinzipien der 68er generell zu
sprechen und so ein Umdenken in der Erziehung einzuleiten. Ohne großen Widerstand wurde
auch im ´linken´ Lager die These aufgegriffen, die Renate SCHEFFLER 1993 im SPIEGEL
aufgestellt hat: ¨Linke Lehrer = rechte Schueler¨. Damit wird zumindest implizit die These
aufgestellt, daß Werthaltungen und Unterrichtsstil eines Großteils der Lehrerschaft ursaechlich
fuer Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft an Schulen verantwortlich sind.

Diese populistische These empirisch zu ueberpruefen ist zunaechst Anliegen der hier berichteten
Studie. Im Rahmen des wertepsychologischen Ansatzes von SCHWARTZ soll versucht
werden, die in Werthaltungen zum Ausdruck kommenden Lebensziele einer Stichprobe von
Lehrern und Schuelern abzubilden, um daraus Aufschluesse zu erhalten, auf welche Weise
Werthaltungen von Lehrern sich auf die Ausbildung von Werthaltungen und
Handlungsbereitschaften von Schuelern (Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft)
auswirken.

Untersuchungsstichprobe sind Schueler der 9. Klassen und deren Lehrer aus vergleichbaren
Schulen mehrerer Schultypen (anteilig aus West- und Ostberlin). Es handelt sich in erster
Linie um eine mit quantitativen Methoden arbeitende Fragebogenstudie, die durch
exemplarische Tiefeninterviews ergaenzt wird.

Aufgrund der empirischen Befunde laeßt sich eine eindeutige Tendenz aufzeigen, derzufolge
¨linke¨ Lehrer, die ihre humanistischen Werthaltungen auch durch ihren Unterrichtsstil und
ihre Parteipraeferenzen zum Ausdruck bringen ¨Praeventoren¨ fuer Gewalt und extrem rechten
Einstellungen sind. Sind jedoch humanistische Einstellungen nicht eingebettet in eine
homogen ¨linke¨ Orientierung, sondern werden parallel mit einem autoritaerem Unterrichtsstil
verknuepft, ist dies ein wichtiger Vorhersagefaktor fuer extrem rechte Einstellungen und
Gewalt. Solche Inkongruenzen werden - so die neu entwickelte These - beguenstigt durch ein
Phaenomen, das in den letzten 15 Jahren unter dem Begriff ¨Burnout¨ abgehandelt wird. Da
eine solche These zunaechst nicht Gegenstand der Studie war, kann sie auch nicht hinreichend
durch die empirischen Befunde der schriftlichen Befragung ueberprueft werden, es ergeben sich
lediglich Hinweise auf ein Zusammenwirken von moeglichen Indikatoren von Burnout und
Gewalt.

Um jedoch Kausalitaeten aufdecken zu koennen und tieferen Einblick in Zusammenhaenge von
Lehrerburnout und Schuelerverhalten zu ermoeglichen werden in einem weiteren
Forschungsschritt zehn narrative Interviews von Lehrerinnen und Lehrern aus Ost- und
Westberlin herangezogen werden, auf deren Grundlage die Ergebnisse der schriftlichen
Befragung inhaltlich ausdifferenziert werden.

weitere Metadaten

Schlagwörter
Burnout
Schlagwörter
Inkongruenz
Schlagwörter
Linke Lehrer
Schlagwörter
Werthaltung
Schlagwörter
Sozialklima
Schlagwörter
Rechtsextremismus
Schlagwörter
Jugendgewalt
SWD SchlagworteSchule
DDC Klassifikation370
DDC Klassifikation150
Institution(en) 
HochschuleTU Chemnitz
FakultätPhilosophische Fakultät
DokumententypDissertation
SpracheDeutsch
Tag d. Einreichung (bei der Fakultät)14.01.1998
Tag d. Verteidigung / Kolloquiums / Prüfung20.11.1997
Veröffentlichungsdatum (online)14.01.1998
persistente URNurn:nbn:de:bsz:ch1-199800011

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