Barbara Darr

Die kulturelle Bedeutung des Waldes – eine Untersuchung von drei Ethnien in Westkenia anhand ausgewählter Kulturelemente

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Kurzfassung in Deutsch

Naturressourcen, und Wald insbesondere, spielen in den ländlichen Gebieten Afrikas nach wie vor eine zentrale Rolle im täglichen Leben. Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle Bedeutung des Waldes anhand ausgewählter, vorwiegend immaterieller Kulturelemente. Das Ziel des Forschungsvorhabens ist die Identifizierung von kulturellen Einflussfaktoren auf die lokale Waldbewirtschaftung. Dafür werden im Kontext traditioneller nachhaltiger Waldnutzung waldbezogene Werte, Normen und Glaubensvorstellungen der Lokalbevölkerung ermittelt und dargestellt, um ihre Handlungen zu verstehen und zu erklären. Das Verständnis dieser Kulturelemente soll zu einer die Belange der lokalen Anwohner besser berücksichtigenden Bewirtschaftung von Wald in Kenia, aber auch generell, beitragen.
Angesichts des geringen Wissensstandes zur Bedeutung und Auswirkung von Werten, Normen und Glaubensvorstellungen auf Waldnutzungen in Kenia verfolgt die Untersuchung einen qualitativ-explorativen Ansatz. In der Arbeit kommen folglich nicht standardisierte qualitative Forschungsmethoden zur Anwendung. Dabei beruft sie sich auf das interpretative Paradigma. Der hermeneutische Ansatz der Arbeit ist in erster Linie auf Verstehen ausgerichtet. Im hermeneutischen Rahmen werden daher grundlegende Kulturelemente, wie beispielsweise Tradition, Norm, Einstellung, Glauben und Religion, definiert und ausführlich aus unterschiedlichen Blickwinkeln dargelegt. Die theoretische Fundierung erfolgt mittels der hierarchischen Wertestruktur des Kulturökologen Bargatzky (1986). Die empirischen Daten werden in Form von drei Fallstudien aufgenommen. Die untersuchten Ethnien sind die Isukha, die Tiriki und die Ogiek, die sich hauptsächlich hinsichtlich der Form traditioneller Waldnutzung und daraus resultierender Handlungen im Wald unterscheiden. Zur Anwendung kommen neben der Sekundärquellenauswertung vorwiegend das episodische Interview und die teilnehmende Beobachtung. Die Textanalyse der Interviews findet mithilfe des Computerprogramms MaxQda2 nach den Prinzipien der Grounded Theory statt.
Die Ergebnisse der Untersuchung werden entlang der folgenden Dimensionen dargestellt: Multidimensionale Waldwahrnehmung, Waldtyp, Schutznotwendigkeit und Schutzmaßnahmen im Wald, Wissen und Gefühle zum Wald, Bewertung von waldgeschichtlichen Ereignissen und künftige Entwicklung. Dabei treten deutliche Unterschiede zwischen den drei Ethnien zutage. Als traditionelle Farmer würdigen die Isukha den Wald vorwiegend für seine Unterstützungs- und Hilfefunktion. Für die Tiriki, die ebenfalls vorwiegend als Farmer leben, dient der Wald, insbesondere ihre heiligen Wälder, hingegen vorrangig der Bewahrung ihrer Identität. Für die traditionell waldbewohnenden Ogiek besitzt der Wald eine zentrale Bedeutung als Heimat.
Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Waldwahrnehmung durch die drei Ethnien und die Rückwirkung auf die jeweiligen Waldnutzungen werden herausgestellt. Die Arbeit mündet in eine modifizierte Darstellung von Bargatzkys Wertehierarchie. Es werden Empfehlungen für die praktische Arbeit mit traditionellen Waldnutzern in den Fallstudiengebieten und darüber hinaus abgeleitet. Dazu zählen z. B. die Förderung eines kleinflächigen Waldmanagements, die Berücksichtigung und Einbeziehung der Lokalbevölkerung in die Waldbewirtschaftung sowie die Anerkennung traditioneller Nutzungsrechte. Die Arbeit schließt mit Vorschlägen für den weiteren Forschungsbedarf ab.

Im Anhang befindet sich eine Datei mit den Interviews. Das Programm um diese Datei zu öffnen und zu lesen (Maxqda Reader) ist im Internet unter http://www.maxqda.de/produkte/maxreader zu finden.

Kurzfassung in Englisch

In the rural areas of Africa natural resources, and forests in particular, play a central role in daily life. The present study examines the cultural significance of the forests based mainly on intangible cultural elements. The aim of this research project is to identify cultural factors that influence local forest management. In the context of sustainable forest use, traditional forest-related values, norms and beliefs of the local forest users are determined and described in order to better understand and explain their actions. The understanding of these cultural elements is a prerequisite to adequately considering the needs of the local population in regard with forest management in Kenya, but also more generally.
Given the limited knowledge on the importance and impact of values, norms and beliefs on for-est use in Kenya, the investigation follows a qualitative-explorative approach. Consequently, non-standardized qualitative research methods are used. The research relies on the interpretive paradigm. The hermeneutic approach used in the current research work focuses primarily on understanding. In the hermeneutical framework presented in this dissertation fundamental concepts such as tradition, norm, attitude, belief and religion are thus defined and exposed from different angles. The theoretical foundation of this work forms the hierarchical structure of values developed by the cultural ecologist Bargatzky (1986). Empirical data were collected in three case studies, comprising the ethnic groups of the Isukha, the Tiriki and the Ogiek. The groups differ with regard to their traditional and current forest use. In addition to secondary data, episodic interview and participant observation are the primary research tools. The textual analysis of the interviews transcripts employed the computer program MAXqda2 and followed the principles of Grounded Theory.
The results of the current research work are presented along the following dimensions: Multi-dimensional perception of the forest, forest type, necessity of forest protection and protection measures in the forest, knowledge and feelings regarding the forest, historical events and future development of the forest. The results reveal clear differences between the three ethnic groups. The Isukha, as traditional farmers, regard the forest predominantly as support and assistance. For the Tiriki, who also predominantly live as farmers, the role of forests and of their sacred forests in particular is mainly the preservation of their identity. For the Ogiek as traditional forest dwellers the forest has a higher meaning as their home.
Differences and similarities in the perception of the forest by the three ethnic groups and their repercussions on the forest management practices are highlighted. The dissertation suggests an empirically grounded modification of Bargatzky’s hierarchy of values. Recommendations for the practical work with traditional forest users, both specifically for the case study areas, as well as on a more general level, are presented. Examples include the promotion of small-scale forest management, the participation of local populations in forest management and the recognition of traditional forest use rights. The work concludes with suggestions for further research.


weitere Metadaten

Schlagwörter
(Deutsch)
Wald, Kultur, Kenia
Schlagwörter
(Englisch)
Forest, Culture, Kenya
DDC Klassifikation630
RVK KlassifikationZC 73576
Institution(en) 
HochschuleTechnische Universität Dresden
FakultätFakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften
ProfessurProfessur für Tropische Forstwirtschaft
BetreuerProf. Dr. rer. silv. Jürgen Pretzsch
GutachterProf. Dr. rer. silv. Jürgen Pretzsch
PD Dr. habil. Stephan Rist
DokumententypDissertation
SpracheDeutsch
Tag d. Einreichung (bei der Fakultät)06.01.2011
Tag d. Verteidigung / Kolloquiums / Prüfung24.05.2011
Veröffentlichungsdatum (online)04.10.2011
persistente URNurn:nbn:de:bsz:14-qucosa-77116

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