- AutorIn
- Nadin Grützner
- Titel
- Subjekt – Prädikat – Objekt
- Untertitel
- Biografische Herausforderungen des Berufseinstiegs in der berufsbegleitenden Qualifizierung für Lehrkräfte an sächsischen Grundschulen
- Zitierfähige Url:
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1015831
- Erstveröffentlichung
- 2026
- Datum der Einreichung
- 19.08.2025
- Datum der Verteidigung
- 08.01.2026
- Abstract (DE)
- Demografische Altersabgänge in Schulen werden vor allem den Lehrpersonenmangel im Primarbereich auch in den nächsten Jahren zu einem entscheidenden Thema machen. Die Autor:innen Klemm und Zorn (2018) schlagen in ihrer Lehrpersonenbedarfsanalyse vor, dass neben der Aufstockung „des Kontingents an Studienplätzen für das Lehramt Grundschule“, auch die Einstellung von seiteneinsteigenden Lehrkräften helfen kann den hohen Personalbedarf an Grundschulen zu decken (11). Im Freistaat Sachsen werden seit 2017 seiteneinsteigende Lehrkräfte im Rahmen einer berufsbegleitenden wissenschaftlichen Ausbildung unterstützt. Diese berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahme dauert in der Regel zwei Jahre und wird parallel zur schulischen Tätigkeit absolviert (Bárány et al. 2020, 188). Die Zulassungsvoraussetzungen werden in der Lehrerqualifizierungsverordnung des Freistaates Sachsen formal geregelt, als Grundqualifikation wird ein nichtlehramts-bezogener Hochschulabschluss benannt (SächsGVBl. 2020 Nr. 7, 125, §2, 3). Der Titel dieser Arbeit lautet „Subjekt – Prädikat – Objekt“ und stellt einerseits den Bezug zu Lerninhalten des Grundschulunterrichts her und andererseits wird direkt der Bezug zum Forschungskontext aufgezeigt. Das „Subjekt“ bilden sechzehn individuelle Lebensgeschichten seiteneinsteigender Lehrkräfte aus dem Primarbereich, die im Rahmen dieser Arbeit, in Form narrativer Interviews, erzählt wurden. Das „Prädikat“ steht für den Abschluss der berufsbegleitenden Qualifizierung (BQL-Programm) im Bereich der Grundschuldidaktik/Grundschulpädagogik. Alle befragten Personen befinden sich zum Zeitpunkt der Befragung kurz vor dem erfolgreichen Absolvieren des Programms bzw. haben dieses kurz vor der Befragung abgeschlossen, so dass der (erste) Baustein der wissenschaftlichen Qualifizierung und somit auch eine mögliche Professionalisierung durch Studieninhalte der Grundschuldidaktik und –pädagogik erreicht wurde. Die Auswertung der narrativen Interviews soll dazu dienen die Lebensgeschichten der seiteneinsteigenden Lehrkräfte in einem Forschungsprojekt wissenschaftlich zu dokumentieren und Erkenntnisse über den Seiteneinstieg zu gewinnen („Objekt“). Im theoretischen Teil der Arbeit wird der Begriff des Seiteneinstiegs dargestellt und die sächsischen Bedingungen der berufsbegleitenden Qualifizierung erläutert. Des Weiteren werden Perspektiven von Professionalität sowie der Berufseinstieg als sensible Phase im Lehrberuf in den Blick genommen. Ebenfalls werden verschiedene Modelle und Handlungstypologien der Lehrpersonenbiografieforschung sowie der Biografizität in die theoretische Betrachtung eingeschlossen. Umfangreich wird der (internationale) Forschungsstand zum Seiteneinstieg dargestellt, um Bezüge zu dieser Arbeit zu ermöglichen. Anhand der Analyse der narrativen Interviews zeigt sich, dass aufgrund der beruflichen und persönlichen Vorkenntnisse vier Biografietypen (konsekutiv, disruptiv, mäandernd und initial) gebildet werden können. Aus den Interviews werden intrinsische, extrinsische und pragmatische Motive, die zur Entscheidung der Aufnahme des Seiteneinstiegs führen, herausgearbeitet. In der weiteren Betrachtung der Ergebnisse werden Professionalisierungsaufgaben im Berufseinstieg seiteneinsteigender Lehrkräfte an sächsischen Grundschulen aus dem Material heraus entwickelt. Die Wahrnehmung der berufsbegleitenden Qualifizierung und deren Unterstützung durch professionalisierende Studienangebote wird im Kontext des Berufseinstiegs betrachtet. Des Weiteren werden Unterstützungssysteme in der Arbeit identifiziert. Den Abschluss der Arbeit bildet die Zusammenfassung und Darstellung der allgemeinen Professionalisierungswege und der spezifischen Professionalisierungsaufgaben der gebildeten Biografietypen.
- Freie Schlagwörter (DE)
- Seiteneinstieg, Biografie, Berufseinstieg, Professionalisierung
- Klassifikation (DDC)
- 370
- Klassifikation (RVK)
- DN 7000
- GutachterIn
- Prof. Dr. Axel Gehrmann
- Prof. Dr. Andrea Hoffkamp
- BetreuerIn Hochschule / Universität
- Prof. Dr. Axel Gehrmann
- Den akademischen Grad verleihende / prüfende Institution
- Technische Universität Dresden, Dresden
- Version / Begutachtungsstatus
- publizierte Version / Verlagsversion
- URN Qucosa
- urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1015831
- Veröffentlichungsdatum Qucosa
- 19.01.2026
- Dokumenttyp
- Dissertation
- Sprache des Dokumentes
- Deutsch
- Lizenz / Rechtehinweis
CC BY-NC-ND 4.0- Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 15 2 Alternative Wege in den Lehrberuf 17 2.1 Der „grundständige“ Weg zur Lehrperson an Grundschulen 17 2.2 Seiten- und Quereinstieg als historische Normalität 18 2.3 Begriffsklärungen alternativer Wege in den Lehrer:innenberuf: Direkteinstieg, Seiteneinstieg und Quereinstieg 19 2.4 Berufsqualifizierender Seiteneinstieg in Sachsen 21 2.4.1 Rechtliche Grundlagen des BQL-Programms 22 2.4.2 Aufbau und Ablauf der berufsbegleitenden Qualifizierung in Sachsen 23 3 Professionalität 25 3.1 Die strukturtheoretische Perspektive auf Professionalität 27 3.1.1 Lehrpersonenhandeln als therapeutische Zwangsbeziehung? 27 3.1.2 Lehrpersonenhandeln – Eine tägliche Arbeit voller Widersprüche 28 3.2 Der kompetenztheoretische Ansatz zur Professionalität von Lehrkräften 29 3.2.1 Der Begriff der Kompetenz 29 3.2.2 Ein heuristisches Modell der Kompetenztheorie 30 3.3 Professionalisierung aus der berufsbiografischen Perspektive 33 3.4 Zusammenfassung - Ansätze zur Professionalität 35 3.5 Reflexionskompetenz als entscheidender Moment der Professionalisierung 36 3.6 Professionalisierung in der Grundschule – Eine andere Form der Professionalität? 37 4 Lehrpersonenbiografieforschung 39 4.1 Phasen- und Stufenmodelle 40 4.1.1 Stufenkonzept nach Fuller & Bown 40 4.1.2 Phasenmodell nach Sikes et al. 40 4.1.3 Der berufliche Lebenszyklus nach Hubermann 42 4.2 Handlungstypologien im Berufsverlauf 44 4.2.1 Berufsidentitätstypologie nach Hirsch 44 4.2.2 Produktive und verhinderte Neuorientierung nach Dirks 45 4.2.3 Professionalisierungswege nach Fabel-Lamla 45 4.2.4 Entwicklungsbereiche der Professionalisierung nach Volkmann 46 5 Der Berufseinstieg als Phase der Professionalisierung 46 5.1 Berufswahlmotive 47 5.2 Der Berufseinstieg als sensible Phase 48 5.2.1 Das Konzept der Entwicklungsaufgaben im Berufseinstieg 49 5.2.2 Unterstützungssysteme im Berufseinstieg 55 5.3 Berufseinstieg im Seiteneinstieg 57 6 Biografizität in der Erwachsenenbildung 60 7 Forschungsstand zum Seiteneinstieg 61 7.1 Überblick 61 7.2 Übersichtsstudien und internationaler Kontext 62 7.3 Berufliche Professionalisierung im Quer- bzw. Seiteneinstieg 64 7.4 Berufswahlwechselmotive 65 7.4.1 Pull- und Pushfaktoren des beruflichen Wechsels 68 7.4.2 Klassifizierung seiteneinsteigender Lehrkräfte (international) 69 7.5 Transfer vorberuflicher Kompetenzen 70 7.6 Studien zum Berufseinstieg bzw. zum beruflichen Wechsel 74 7.7 Herausforderungen im Berufsalltag 75 7.8 Unterstützungen 78 7.8.1 Schulische Unterstützung 79 7.8.2 Unterstützung durch andere seiteneinsteigende oder –quereinsteigende Lehrpersonen 80 7.9 Professionswissen 81 7.10 Professionalisierende Studienangebote 83 8 Fragestellung und Methodik des Forschungsvorhabens 86 8.1 Begründung und Einordnung des Forschungsvorhabens 86 8.2 Aufbau der Interviews 91 8.3 Auswahl der Interviewteilnehmenden 93 8.4 Datenauswertung 98 9 Typendarstellungen aufgrund der Biografien 103 9.1 Konsekutiver Biografietyp 103 9.2 Disruptiver Biografietyp 112 9.3 Mäandernder Biografietyp 117 9.4 Initialer Biografietyp 123 10 Motive für die Entscheidung zum Seiteneinstieg in den Lehrberuf 127 10.1 Verwirklichung des langgehegten Berufswunsches Lehrer:in 128 10.2 Unzufriedenheit mit dem vorherigen Berufsfeld 131 10.3 Lehrkräftemangel 133 10.4 Entscheidung zum Seiteneinstieg aus persönlicher Krise heraus 134 10.5 Seiteneinstieg als (beruflicher) Neustart 136 10.6 Berufliche Sicherheit 137 10.7 Vereinbarkeit von Familie und Beruf 138 10.8 Pädagogische Vorerfahrungen 139 10.8.1 Die eigene Elternschaft 140 10.8.2 Pädagogische Vorerfahrungen in einem unterrichtsnahen Bezugsrahmen 140 10.9 Weitere Gründe 141 10.10 Überblick Motive des beruflichen Wechsels 143 10.11 Der Weg in den Seiteneinstieg – Eine überlegte Entscheidung 144 11 Startucation – Berufseinstieg seiteneinsteigender Lehrkräfte 146 11.1 Beruflicher Start an der Schule 146 11.2 Vorberufliche Kompetenzen 150 11.2.1 Eigene schulische Erfahrungen 150 11.2.2 Pädagogische Vorkenntnisse 152 11.2.3 Fachkenntnisse und überfachliche vorberufliche Kenntnisse 157 11.2.4 Verwirklichung besonderer Begabungen und Hobbys 164 11.3 Entwicklung eines eigenen Lehrkonzeptes 166 11.4 Klassenleitung als lehrpersonenidentitätsstiftendes Element 174 11.5 Pädagogisch herausfordernde Situationen 179 11.6 Rolle der Schulleitung 185 11.7 Zusammenarbeit und Integration im Kollegium 188 11.8 Die Arbeit mit den Eltern 193 11.9 Wissenschaftliche Ausbildung – Berufsqualifizierung für Lehrkräfte 195 11.9.1 Einstiegsfortbildung 195 11.9.2 Berufsbegleitende Qualifizierung von Lehrkräften (BQL-Programm) 197 11.10 Seiteneinsteigende Lehrkräfte als Innovator:innen 215 12 Unterstützungssysteme 218 12.1 Unmittelbares berufliches Umfeld 218 12.1.1 Mentor:innen 218 12.1.2 Kolleg:innen an der Schule 220 12.1.3 Schulleitung 225 12.2 Erweitertes berufliches Umfeld 228 12.2.1 Fachberater:innen 228 12.2.2 Seiteneinsteigende Lehrpersonen als Gemeinschaft 230 12.3 Unterstützung außerhalb des schulischen Rahmens 233 13 Aussichten – Verbleib im Berufsfeld der Lehrperson 235 14 Transition in den Lehrberuf 240 14.1 Professionalisierungsaufgaben über Biografietypen hinweg 241 14.2 Konsekutiver Professionalisierungsweg 248 14.3 Disruptiver Professionalisierungsweg 253 14.4 Mäandernder Professionalisierungsweg 258 14.5 Initialer Professionalisierungsweg 260 15 Zusammenfassung der Ergebnisse 263 16 Ausblick 270 Literaturverzeichnis 274 Anhang - Transkriptionsleitfaden nach GAT2 (vgl. Selting et al. 2009) 289